Es gibt ja schon ein paar Eindrücke darüber hier auf dem Blog und es ödet vielleicht schon ein paar Leute an, aber ich wollte doch mit meiner Meinung nicht hinterm Berg halten. Schließlich konnte ich jetzt, knapp fünf Monate nachdem ich die Life-Präsentation des iPad im Internet verfolgt habe, endlich eins in den Händen halten. Und obwohl ich kein Apple-Fangeek bin, konnte ich mir doch, wie meine Vorredner (oder sollte man da lieber Vorschreiber sagen?) schon erwähnt haben, ein dümmliches Grinsen nicht verkneifen. Der Gadget-Geek in mir war dann auch schon ganz aufgeregt, endlich dieses total gehypte Gerät mal ausprobieren zu können.
Aufgeregt worüber? sollte man sich fragen und ich muß zugeben: ich weiß es nicht. Das iPad ist ein Tablet-Gerät. Nicht mehr und auch nicht weniger. Das Design ist natürlich super schick, wie man es nicht anders von Apple gewohnt ist und das allein macht schon viel aus. Schließlich will man nicht mehrere hundert Euro für was ausgeben, was häßlich und unförmig ist. Nein, das iPad sieht gut aus und fühlt sich gut an. Es ist extrem einfach gehalten. So einfach, daß ich erstmal die am Gerät angebrachten Schalter total übersehen habe, bis mich eine freundliche Seele – als ich den Aus-Schalter suchte – darauf aufmerksam gemacht hat. Wahrscheinlich ist das für eingefleischte Apple-Fans aber kein Problem. Schließlich ist das iPad ja erstmal nichts anderes als ein aufgeblähter iPod Touch.
Über den Bildschirm war ich allerdings sehr erstaunt. Erstmal darüber, daß er eine heutzutage unübliche Auflösung von 1024*768 Bildpunkten aufweist – erinnern wir uns: vor ein paar Jahren war das die normale Auflösung für 15″ TFT-Monitore – und somit eine 4:3 Bildratio darstellt. Filme, die man auf dem iPad laufen läßt, haben somit schwarze Balken, die ja bei dem heutzutage alltäglichen Verhältnis von 16:9 wegfallen. Allerdings erinnert das iPad von der generellen Größe her sehr an eine DIN A4-Seite, was bestimmt auch gewollt ist. Was mich am Bildschirm aber extrem gestört hat, das ist die Spiegelung. Wenn man nicht den perfekten Neigungswinkel findet, sieht man immer zuallererst sich selber oder auch die Deckenlampe, Wand oder alles andere, was sich spiegeln kann. Das ist extrem störend und macht die Benutzung nicht wirklich zu einem Vergnügen. Dazu kommen noch die Fingerabdrücke, sie sich bei einem Touchscreen nicht vermeiden lassen, aber wirklich auch nicht schön aussehen.
Ich habe über das iPad mit einem amerikanischen Freund (ein sehr großer Apple-Fan) gesprochen, der das iPad schon hat, und der meinte, er hätte sich eine Schutzfolie gekauft, die auch gleichzeitig etwas von der Spiegelung wegnimmt. Und außerdem würde er ein externes Keyboard anstatt des Onscreen-Keyboards benutzen. Okay. Auf meine Frage, warum er dann nicht gleich sein Macbook benutzt, konnte er mir dann nicht mehr antworten.
Wozu benutzt man denn das iPad so? Es soll ja schließlich die Lücke zwischen Smartphone und Net- oder Notebook schließen. Die Frage ist halt, ob es da überhaupt eine Lücke gibt. “Es ist ein super Ebook-Reader,” sagen manche. “Ich kann endlich am Flughafen kurz mal E-Mails checken oder einen Film anschauen, ohne dafür gleich umständlich mein Notebook aus der Tasche holen zu müssen,” sagen andere. Gut. Während ich den Sinn im zweiten Fall noch einigermaßen nachvollziehen kann, geht das bei der Ebook-Reader-Argumentation überhaupt nicht. “Aber,” sagen die ersteren dann wieder, “Es ist doch super. Ich brauch endlich kein Licht mehr anschalten, wenn ich im Bett lesen will.” OK, das kann ich ja noch einigermaßen verstehen. Wenn man das knapp 700g schwere Gerät aufs Kopfkissen legt, dann geht das. Um es aber länger in der Hand zu halten, dafür ist das iPad viel zu schwer. Wer sich das Gerät nur zum Lesen anschaffen möchte, der ist doch mit einem dedizierten Ebook-Reader besser dran. Sicher, die haben normalerweise keine eigene Lichtquelle, aber das haben Bücher auch nicht. Und die Ebook-Reader sind um einiges handlicher und leichter als das iPad. Und (meistens) günstiger. Und haben spezielle eInk-Displays. Und… ich könnte jetzt noch weiter machen, aber dann käme ich doch extrem vom Thema ab. Kurz: wer nur einen Ebook-Reader möchte, der ist mit einem speziellen Gerät besser bedient. Wer unbedingt das iPad möchte, der sollte sich darauf gefaßt machen, zwischen 499 EUR und 799 EUR, je nach Version, zu bezahlen. Wer weniger ausgeben will, findet in unserem Shop eine Auswahl an Netbooks, mit denen man Multitasking betreiben kann und die vor allem eine richtige Tastatur haben. Auch wenn die Tastatur des iPads für das 10-Finger-Schreiben groß genug ist – das hat mich echt positiv überrascht – ist sie doch für Blindschreiben total ungeeignet, da das Blindschreiben vorraussetzt, daß man die Tasten erfühlen kann.
Wie aus diesem Artikel ersichtlich, kann ich mir nicht wirklich vorstellen, in naher Zukunft ein iPad zu benötigen. Vielleicht unterschätze ich die Nützlichkeit des Gerätes aber und es gibt sehr wohl Leute, die genau auf so etwas gewartet haben. Die sollten sich natürlich nicht von mir abhalten lassen, das iPad vorzubestellen. Es wird im Apple Store ab 28. Mai verfügbar sein.




6 Kommentare zu “Ist das iPad was für mich?”