Stefan Tucholski

von am 2. September 2010

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Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit – BarCamps zum Thema Web 2.0 sind Fachtagungen für jedermann.

Der Begriff Web 2.0 ist bei Internetnutzern in aller Munde und inzwischen fester Bestandteil der weltweiten Webkultur. Der Blogger Henning Schürig sieht darin eine Radikalisierung des Ursprungsgedankens hinter dem Internet. Es geht bei Web 2.0 im Grunde um eine Vereinfachung des sozialen Miteinanders und die Förderung der Kollaboration zwischen Internetnutzern. Nun gab es diese Möglichkeiten schon im Web 1.0, also dem Internet in der Phase vor der weltweiten Etablierung von Social-Media-Netzwerken und Blogs. Die Simplifizierung des Informationsaustauschs und der Meinungsverbreitung durch diese Kommunikationsmittel rechtfertigt wegen ihrer Tragweite in meinen Augen dennoch den Einsatz der Kennung 2.0 zur Verdeutlichung dieses gesellschaftsprägenden Entwicklungsschritts.

So bedeutend Web 2.0 für die Internetgemeinde in Bezug auf Meinungsfreiheit, Meinungsaustausch und auch Marketing auch ist, etwas vermag das Medium auf Grund seiner technischen Voraussetzungen nicht zu ermöglichen, einen selbstreflexiven Diskurs zwischen allen daran Beteiligten. Mit der Etablierung von Web 2.0 gingen grundsätzliche Fragen z.B. nach dem Entwicklungspotential des Mediums, der Bekanntmachung und Einführung technologischer Neuerungen oder den Einsatzmöglichkeiten einher. Sicherlich können solche Fragen auf professionellen, jedoch für die Teilnehmer auch kostspieligen, IT-Konferenzen diskutiert werden. Und sicherlich lassen sich Innovationen dort ebenfalls vorstellen. Jedoch entsprechen derartige Veranstaltungen,  wegen ihrer sehr unternehmensbezogenen Besucherstrukturen und ihren oftmals starren Tagesabläufen, nur bedingt den Eigenschaften der eher egalitären und etwas anarchisch anmutenden Nutzersphäre des Web 2.0. Ich behaupte jetzt einmal, ein Medium, das ohne nennenswerte Zugangsbarrieren die Teilnahme eines jeden  Interessierten zulässt (im Grunde sogar benötigt) und in dessen Grenzen kein Thema ausgespart werden muss, sollte auch auf Veranstaltungen vorgestellt und diskutiert werden können, deren Strukturen mit diesen Charakteristika im Einklang stehen. Diese finden bereits seit 2005 (USA) bzw. 2006 (D) unter der Bezeichnung „BarCamp“ statt. Diese freien Tagungen können grundsätzlich von jedem ins Leben gerufen werden, der geeignete Räumlichkeiten gewährleisten kann. Termine und Orte werden in der Regel über einschlägige Wikis (z.B. barcamp.org), Blogs, Instant-Messaging-Systeme (bspw. ICQ) oder soziale Netzwerke wie Facebook veröffentlicht und verbreitet. BarCamps folgen nur selten festgelegten Regeln. Jeder der möchte kann – entweder als Zuhörer oder Referent – teilnehmen.  Die Programmplanung erfolgt im Normalfall am Morgen vor der Veranstaltung, nachdem alle Referenten ihre Themen eingereicht haben. Die Besucher können anschließend, entsprechend ihrer Interessen, zwischen mehreren gleichzeitig stattfindenden Diskussionsveranstaltungen wählen.  Es handelt sich dabei tatsächlich um Diskussionsrunden. Schnöde Frontalvermittlung von Wissen ist nicht übermäßig erwünscht.

BarCamp auch in OWL

Auch in Ostwestfalen-Lippe findet ein solches BarCamp statt. Mit Erfolg im November letzen Jahres in den Räumlichkeiten der Bielefelder Fachhochschule des Mittelstands gestartet (Blog-Bericht der Neuen Westfälischen Zeitung hier), geht das Barcamp OWL am 2. und 3. Oktober 2010 im Park Inn Hotel Bielefeld in seine zweite Runde. Zum Ablauf der Veranstaltung geben die Organisatoren im Wiki ihrer Website folgendes bekannt:

Teilnehmer des “BarCamp OWL” in Aktion. Quelle: blog.nw-news.de

Unsere BarCampOWL Teilnehmer können entweder eine Präsentation oder eine Session abhalten oder aber bei einer mithelfen, oder sonstwie als Freiwilliger zum Gelingen der Veranstaltung beitragen. Der Ablaufplan für sämtliche Präsentationen wird erst am eigentlichen Tag gemeinsam erstellt. Man kann sich vorab vorbereiten, sollte aber früh am Tag erscheinen, um sich einen Platz im Zeitplan zu sichern. Die anwesenden Teilnehmer wählen die Demos bzw. Präsentationen aus, die sie sehen wollen.

Eine Art Eckladen-Marketing mit Quellenoffenheit. Denn “Wir reden. Ihr hört zu.” sollte möglichst bald der Vergangenheit angehören. Unser leidenschaftlicher Rat an Dich: Schließe Dich der Konversation an. Der Einstieg ist einfach, die Vorteile sind groß, und BarCampen macht zufälligerweise auch noch Spaß.
Alle Präsentatoren sind dafür verantwortlich, dass sämtliche Mitschriften, Folien, Audio- und Videodaten ihrer Präsentationen im Web veröffentlicht werden, zum Nutzen sowohl der Teilnehmer als auch derjenigen, die nicht selbst anwesend sein können.

Die Agenda ist einfach: Es gibt keine. Es lebt vom Input und der Interaktion der Teilnehmer. Eine Markenprägung ist für Medienpartner und Sponsoren gegeben.

Logo des "BarCamp OWL"

Allen Web 2.0-Interessierten sei hiermit eine Teilnahme an der Veranstaltung ans Herz gelegt. Jeder abgegebene Beitrag und jede neu gewonnene Erkenntnis kann ein Grundstein für die Weiterentwicklung eines Mediums sein, dessen gesamtgesellschaftliche Bedeutung vielleicht noch immer nicht richtig erfasst werden kann.

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